Johannes Ries

geboren am 9.7.1887

gestorben am 4.1.1945 im KZ Dachau

Pastor von Arzfeld

schriftliche Kritik an den Nationalsozialisten

KZ Dachau

Johannes Ries" wurde am 9.7. 1887 in eine arme Bergmannsfamilie aus dem saarländischen Elversberg hineingeboren und am 12.7. 1887 in der Pfarrkirche zu Spiesen getauft. Seine Eltern, Jakob Ries und Margareta, geb. Faber, zogen noch weitere sieben Kinder auf. Johannes Ries kam zur Vorbereitung auf das Gymnasium zu Pfarrer Franz Hennes nach Sien (Hunsrück), wo er auch anlässlich der Bischöflichen Visitation am 11.7.1901 vom Trierer Weihbischof Karl Ernst Schrod gefirmt wurde. Von 1902 bis 1906 besuchte er das Gymnasium in St. Ingbert (Saar), dann bis zur Reifeprüfung am 15.7. 1909 das Gymnasium in Speyer. Im Anschluss daran studierte er am Bischöflichen Priesterseminar in Trier Philosophie und katholische Theologie und wurde am 28.3.1914 zum Priester geweiht. Vom gleichen Tag datiert seine Ernennung zum Kaplan der Moselpfarrei Kues. Er war in der Folgezeit noch tätig als Kaplan in Uchtelfangen (18.4.1914), Waldbreitbach (8.9. 1919) und Losheim/Saar (2. 10. 1920), ehe er nach dem am 8.8. 1920 mit recht gutem Erfolg bestandenen Pfarrexamen zum Pfarrer der 800 Seelen zählenden Westeifelpfarrei Arzfeld ernannt wurde (22.5. 1923). Arzfeld war die erste und einzige Pfarrstelle von Johannes Ries: auf ihr hat er die ersten zehn Jahre in Ruhe arbeiten können und sich vor allem in Bezug auf den Aufbau der katholischen Vereine Verdienste erworben. Gerühmt wurde vor allem seine absolute Hinwendung gegenüber dem in Not und Armut lebenden Teil seiner Parochianen, denen er in außergewöhnlicher persönlicher Hilfsbereitschaft begegnete.

Bereits im Herbst 1933 wandte sich, wahrscheinlich auf Veranlassung der örtlichen Parteistellen, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beschwerdeführend an das Trierer Generalvikariat und gab an, Ries sei einer Gedenkfeier für Gefallene ferngeblieben. Dem war in der Tat so, denn „die Feier am 6. August diente nur der Propaganda, da die SA der ganzen Umgebung herangezogen wurde. Die Kirche sollte wieder einmal zur Verherrlichung beitragen", berichtete Ries. Am 1.2.1934 beschwerte sich die Gauleitung Koblenz—Trier der NSDAP beim Generalvikariat, Ries halte Vorträge über das Saarland, was sich jedoch die Partei vorbehalten habe. Tatsächlich hatte Ries keinen derartigen Vortrag gehalten, aber der Kreisleiter und der Stützpunktleiter der Partei waren bei Ries erschienen, um sich über dessen Aktivitäten zu „informieren", das heißt mit der Absicht, diese zu unterbinden. Um diese Zeit ist Ries auch durch die Gestapo wegen angeblicher Beleidigung des Gauleiters von Düsseldorf verhört worden. Über den Ausgang dieser Angelegenheit ist allerdings ebenso wenig bekannt wie über die Anzeige, die der Bürgermeister am II. II. 1935 gegen Ries wegen Nichtflaggens bei der Beerdigung eines Gauleiters bei der Staatsanwaltschaft erstattete. Am 25.3. 1937 erhielt er nach einem Verhör durch den Kreisschulrat eine Verwarnung durch den Regierungspräsidenten: Ries habe zu Schulkindern gesagt, sie brauchten keine Auskunft über die katholische Jugendarbeit zu geben; dies wurde als Aufforderung zum Ungehorsam von der Schulbehörde angesehen, die mit dem Entzug der Unterrichtserlaubnis drohte. Von Anfang 1936 bis Sommer 1937 sind insgesamt zwölf Anzeigen gegen Ries erstattet worden, vor allem wegen Predigtäußerungen und Bemerkungen über die HJ und den BDM. 1937/38 wurden zwei weitere Verfahren wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz eingestellt: Näheres ist unbekannt. Von einigem Interesse ist auch eine Notiz in den Pfarrakten von Arzfeld aus seiner Zeit: infolge einer vom 17. bis 24. 10. 1937 veranstalteten religiösen Woche, berichtete Ries, seien 25 neue Bezieher des Bistumsblattes Paulinus geworben worden. Ein Priester mit der artigen Erfolgen musste seitens der Partei natürlich bekämpft werden! Im März 1941 erfolgte eine weitere Denunziation: man versuchte, eine vorgenommene körperliche Züchtigung an zwei Schulmädchen als unsittliche Handlung darzustellen. Die Sache konnte mit der schriftlichen Aussage eines der Väter beim Generalvikar aus der Welt geräumt werden, doch den wohlgemeinten Vorschlag des Generalvikars, sich versetzen zu lassen, lehnte Ries ab. Am 18. 12.1941 erhob die Oberstaatsanwaltschaft in Trier Anklage gegen Ries wegen verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen: Ries hatte im Mai 1941 einem kriegsgefangenen französische Priester gestattet, in der Kirche zu Arzfeld sowie in einer Filialkapelle die hl. Messe zu zelebrieren. Ein mutiger Amtsgerichtsrat namens Kribben aus Waxweiler war willens, die Angelegenheit ganz unten in den Wiedervorlageakten verschwinden zu lassen. Das Verfahren wurde am 26.5. 1942 dann eingestellt. Inzwischen aber war Ries bereits verhaftet worden. Nach einer Hausdurchsuchung wurde er am 6. 8. 1942 zum Landgericht Trier und am 4. l l. 1942 in das KZ Dachau verbracht, wo er die Häftlings-Nummer 38553 erhielt und in Stube 3 im Priesterblock 26 hausen musste. Der Grund der Verhaftung lag nach Auskunft seines KZ-Mithäftlings Pfarrer Hugo Pfeil darin, Ries habe in einem Brief an einen Soldaten aus seiner Pfarrei „die Befürchtung geäußert, dass der Krieg für uns ungünstig ausgehen werde." Dieser Brief, so Pfarrer Pfeil nach Kriegsende, sei geöffnet worden.

Johannes Ries hat klaren Auges gesehen, was ihn erwartete. (...)

Johannes Ries starb am 4. l. 1945. Am 8. l. 1945 wurde seine Leiche im Krematorium Dachau eingeäschert. Am 15.5.1945 fand in Arzfeld ein feierliches Requiem für den Pfarrseelsorger statt. Die Pfarrgemeinde ließ im Altarraum der Kirche eine Gedenktafel anbringen. In seinem Heimatort Elversberg ist seit dem Jahre 1967 eine Straße nach Johannes Ries benannt.

 

Quelle:.... Persch, Dr. Martin: „Meine Zeit ist reich..." Die Martyrerpriester
 im Konzentrationslager Dachau 1940-1945, in: Kurtrierisches
Jahrbuch 37, Jahrgang 1997, S. 1997-182 
Personalakte Johannes Ries im Bistumsarchiv Trier Abt. 85, Nr. 1428.
Original KZ-Briefe in Privatbesitz: Kopien in der Personalakte a.a.O.
Pfarrakten Arzfeld im Bistumsarchiv Trier Abt. 70, Nr. 170.
Bernd Wittschier: Pfarrer Johannes Ries. In: Theologisches, Nr. 192 vom April 1986, Sp.7017 
Klaus Groben, Zum Gedenken an Pfarrer Johannes Ries. In: Der Prümer Landbote.
 Zeitschrift des Geschichtsvereins „Prümer Land" Nr. 40, vom l. 3. 1994, S. 5
Manfred Sohns: So lebten unsere Vorfahren. Gerolstein 1994, S. 145 u. 165.
Münch, Maurus: Unter 2579 Priestern in Dachau, 2. Auflage, Trier 1970

 

Simon Salomon