Peter  Knichel

geboren am 10.2.1889 in Brohl

gestorben am 14.10.1955 in Wallhausen

Pastor von Stadtkyll

Gegner der nationalsozialistischen Ideologie

Floh nach Namur in Belgien

durch Spion verraten

Todesurteil in Aachen nicht vollstreckt

KZ Dachau

 

Knichel, Peter Josef, katholischer Pfarrer - geboren 10. Februar 1889 Brohl (Rhein), gestorben 14. Oktober 1955 Wallhausen (Kreis Kreuznach) - Priesterweihe 1912 in Trier. Bereits als Kaplan setzte Knichel sich besonders für den konfessionellen Schulunterricht ein, weshalb er ernste Konflikte mit preußischen Verwaltungsorganen bekam. 1914 wurde Knichel Pfarrer in Lauschied (Hunsrück) u 1927 in Stadtkyll (Eifel). Er warb aktiv in der Bewegung zur Trinkerrettung u engagierte sich in der Zentrumspartei. Seine offenen Worte brachten ihn 1932 in Konflikt mit Anhängern des Stahlhelm u der NSDAP. Am 6. Mai 1933 wandte er sich in Kanzelansprachen vehement gegen Plünderungen u Aufrufe zum Boykott jüdischer Geschäfte. Er wurde von NS-Parteianhängern bespitzelt und denunziert. Als ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, setzte er sich nach Rücksprache beim Bischöflischen Generalvikariat nach Belgien ab. Dort wurde er im August 1933 Pfarrer in Ligneuville bei Malmedy. Am 2. September 1933 Haftbefehl. Knichel kämpfte auch in Belgien in Veröffentlichungen u Vorträgen gegen das NS-Regime und die von dem späteren Kommandeur der Wallonischen SS-Legion gegründete Rexisten-Bewegung. Mitglied dieser Bewegung bespitzelten ihn und teilten seine Äußerungen der Gestapo mit. Als er auf die drohende Kriegsgefahr hinwies, schickte man mehrmals deutsche Funktionäre zu ihm, um ihn zum Stillschweigen zu bewegen. Beim Einfall der deutschen Truppen 1940 floh Knichel erneut und gelangte schließlich im unbesetzten Teil Frankreichs nach Clermont-Ferrand. Bei Besetzung auch dieses Gebietes wurde er von Kollaborateuren verraten u am 24. Juni 1943 mit Bischof Gabriel Piquet u weiteren 24 geflüchteten Geistlichen u Ordensleuten von der Gestapo verhaftet u zum Verhör nach Paris gebracht. Er kam ins Gefängnis nach Aachen. Da er nicht bereit war, gegen die Mitgefangenen auszusagen, wurde er in "harten Verhören" so mit Fußtritten und Faustschlägen traktiert, daß er das Gehör verlor u einen Hodenbruch erlitt. Nachdem bei einem Bombenangriff die Ermittlungsakten verbrannt waren, wurde K. am 27. Mai 1944 in das KZ Dachau als Häftling ¹.69815 in Block 26/3, den sog Priesterblock, eingeliefert. Nur die Unterstützung mit Lebensmitteln durch seine Familie und Freunde retteten ihm das Leben. In zahlreichen Kassibern schilderte er die schrecklichen Lagersituation, wo 1945 täglich 40-50 Gefangene an Entkräftung u Hungertyphus starben. - Nach der Befreiung am 29. April 1945 kehrte er als gebrochener Mensch am l. Juni 1945 in seine Pfarrei Ligneuville zurück. Wegen seiner Pflegebedürftigkeit stellte er mehrere Anträge, um wieder eine Pfarrstelle in der Diözese Trier in der Nähe seiner Verwandten zu erhalten. Am 22. Juni 1950 endlich übertrug man ihm die Pfarrei Bergweiler bei Wittlich. Die erlittenen Gesundheitsschäden und zwei Schlaganfälle zwangen ihn 1954 zum Eintritt in den Ruhestand. Trotzdem wirkte er noch kurze Zeit als Hausgeistlicher im kleinen Kloster und Altenheim Bad Salzig.

Zuletzt zog er zu seiner Schwester nach Wallhausen. Die Gemeinde Wallhausen errichtete ihrem mutigen "Priester zwischen den Fronten" 1996 in einem alten Heiligenhäuschen eine Gedächtnisstätte.

 

Quelle: Trierer biographisches Lexikon (Hans Jörg)
Brief von K. an seine Schwester vom 13. Februar 1945, in dem die Zustände im KZ Dachau
beschrieben sind und der heimlich aus dem KZ herausgebracht wurde (in Privatbesitz);
Hans Jörg: Josef: K. (1889-1955). Priester zwischen den Fronten; in: JbwestdLG 22 (1996)
233- 248
LHAK Best.442 Nr.8547
Maurus Münch: Unter 2579 Priestern in Dachau, 2. Auflage, Trier 1970, 86-89
Personalakten im BATr Abtlg85 Nr.

Martin Krisam