Norbert Hirschkorn

geboren 1921 in Wawern/Saar

gestorben 2004 in England

jüdischen Glaubens

Textilkaufmann

KZ Auschwitz, Lagernummer 142955

kehrt nach 1945 nach Trier zurück

 

Norbert Hirschkorn wurde 1921 in Wawern als Sohn eines jüdischen Händlers geboren. Dort hatte er Bar Mizwa gefeiert, seine Aufnahme ins Judentum. Damit in der Nachbargemeinde Oberemmel das Minjan, die Mindestzahl von 10 Männern zur Feier des Sabbatgottesdienstes, erfüllt war, fuhr er als Jugendlicher öfter mit dem Fahrrad dorthin.

In Wawern betrug der Anteil der jüdischen Bevölkerung ca. 10 Prozent. Die örtliche jüdische Gemeinde verfügte über eine Synagoge im Dorfmittelpunkt und eine Mikwe, ein Frauenbad. Beide Einrichtungen sind noch erhalten: Die ehemalige Synagoge ist beispielhaft restauriert. Die Mikwe ist allerdings überbaut.

Herr Hirschkorn hat als Schulkind erlebt, wie Mitschüler ihn auf dem Schulweg geschlagen haben. Deswegen leitete sein Vater polizeiliche Maßnahmen ein, die vom damaligen Landrat in Saarburg, von Mirbach, der zugleich Polizeichef war, nicht ignoriert wurden, wie es damals üblich war.

In Wawern wurden am 9./10. November die Synagoge und die jüdischen Wohnhäuser verwüstet wie im gesamten Gebiet des damaligen Deutschland.

Im Rahmen des Holocaust wurde Norbert Hirschkorn in das KZ Auschwitz eingeliefert. Dort erhielt er die Lagernummer 142 955, die ihm eintätowiert wurde. Seine Persönlichkeit sollte damit ausgelöscht werden. Als einem der wenigen gelang es Herrn Hirschkorn, die KZ-Zeit zu überleben. Er kehrte nach Trier zurück, heiratete und hatte Kinder. Er lebte als Kaufmann.

In den wöchentlichen Synagogengottesdiensten am Freitagabend gehörte seine Anwesenheit zum Bild der jüdischen Gemeinde von Trier.

Über zwanzig Jahre stand er Schulen und anderen Einrichtungen gerne zur Verfügung, wenn sie mit Hilfe von Zeitzeugen an den Holocaust erinnerten. Seine mahnenden Worte 1997 im Rahmen von Projekttagen am HGT in Trier an die jungen Menschen gerichtet, sind auch nach seinem Tod im Jahre 2004 zu beherzigen: „Passt auf, dass der Hass heute kein Krebsgeschwür wird. In der nächsten Jahrhunderthälfte darf von diesem Hass keine Rede mehr sein!"

 

Quelle:  Steil, Karsten: Projekte wider den Hass. Holocaust-Gedenktag am   
Hindenburg-Gymnasium – Berichte von Zeitzeugen, in: Trierischer Volksfreund
vom 28. Januar 1998, ergänzt von Willi  Körtels 2006

 

Paul Hoenen